Geduld und Verhandlungsstärke zwingen den russischen Bären in die Knie
Wer als österreichischer Vorgesetzter in ein russisches Unternehmen eintritt, sollte Zeit und Geduld mitbringen. Russen sind aus sozialistischen Zeiten einen autoritären Führungsstil mit klaren Befehlen gewohnt - das Angebot von Feedbackgesprächen oder die Aufforderung zu selbstständigem Zeitmanagement verwirren daher viele.
Andererseits setzt sich ein russischer Mitarbeiter, der sich vom Chef schlecht behandelt fühlt, häufig nicht zur Wehr, sondern kündigt - damit die Besten nicht zur Konkurrenz abwandern, muss das rechte Maß zwischen klaren Anweisungen und einer geduldig erklärenden
"Salamitaktik" mit viel Lob gefunden werden.
Auch für Verhandlungen mit russischen Geschäftspartnern kennt die
gebürtige Moskauerin einen Insider-Tipp: Hier gelte es vor allem,
Stärke zu zeigen. "Wenn ein russischer Kunde droht, einen Vertrag nur
bei Gewährung von 40 Prozent Rabatt zu unterzeichen, sollten Sie
keinesfalls darauf eingehen, nur um am Markt Fuß zu fassen. Als
stolzen Einwohnern eines 'Big Country' ist Russen das österreichische
'Treffen wir uns in der Mitte' fremd. An besten, Sie bleiben stark
und machen klar: 'Nicht mit mir!' Nur so profilieren Sie sich als
ernst zu nehmender Geschäftspartner", so Beekes.
Noch Wodka?
Was ist dran am Klischee, dass in Russland der Geschäftserfolg von
der Trinkfestigkeit abhängt? In der sozialistischen Planwirtschaft
wurde das langweilige Arbeitsleben gerne durch Trinkgelage nach
Dienstschluss aufgelockert, erklärt Beekes. Während sich in Moskau
bei der jungen Generation derzeit ein Wertewandel in Richtung
Kapitalismus vollziehe und das rasche Geldverdienen einen klaren Kopf
erfordere, seien im ländlichen Raum Wodkaorgien bei
Geschäftsverhandlungen nach wie vor üblich. Was tun? "Um sich höflich
aus der Affäre zu ziehen und ein Freund zu bleiben, funktioniert
ausschließlich der Hinweis auf gesundheitliche Probleme", kennt die
Expertin den entscheidenden Überlebenstipp.


